Mini-Drohnen und die neue EU-Drohnenverordnung

EU-Drohnenverordnung

Nun kommt sie also – die neue EU-Drohnenverordnung. Gültig wird sie ab dem 01.01.2021 und richtet sich an alle, die mit einer Drohne starten wollen. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, ob es sich um eine professionelle Drohne handelt oder ob man sein Fluggerät eher als einfaches Einsteigermodell betrachtet. Die EU-Drohnenverordnung macht hier zwar gewisse Unterschiede aber insofern keine Ausnahmen…

Artikel 2
Begriffsbestimmungen

Für die Zwecke dieser Verordnung gelten die Begriffsbestimmungen der Verordnung (EU) 2018/1139.

Außerdem gelten folgende Begriffsbestimmungen:

1. „unbemanntes Luftfahrzeugsystem“ (unmanned aircraft system, UAS): ein unbemanntes Luftfahrzeug sowie die Ausrüstung für dessen Fernsteuerung;

2. „Betreiber eines unbemannten Luftfahrzeugsystems (UAS-Betreiber)“ (unmanned aircraft system operator, UAS operator): eine juristische oder natürliche Person, die ein oder mehrere UAS betreibt oder zu betreiben gedenkt;

(Amtsblatt der Europäischen Union)

Von einer Vereinfachung der seit 2017 bestehenden Drohnenverordnung darf man hier jedoch nicht ausgehen. Ganz im Gegenteil – das neue Regelwerk ist um einiges komplexer geworden. Das ist angesichts der Fülle an verfügbaren Modell, Einsatzbereichen und möglichen Risiken auch verständlich. Hinzu kommen die verschiedenen Anforderungen der Mitgliedsstaaten, denen ebenfalls Rechnung getragen werden muss. Immerhin sollte es eine EU-weit einheitliche Regelung werden. Im Großen und Ganzen ist sie das nun auch, lässt nichtsdestotrotz Raum für Landesspezifische Zusatzregelungen.

Aufgrund der Komplexität der EU-Drohnenverordnung, werde ich mich im folgenden auf jene Teile beschränken, die für die vergleichsweise günstigen Drohnen dieser Webseite von Bedeutung sind. Das sind in erster Linie Drohnen unter 250 Gramm, die sowohl technisch als auch preislich eher für Einsteiger geeignet sind. Diese Kategorie hat insofern auch die wenigsten Auflagen, was sie umso mehr für Einsteiger qualifiziert.

Was habe ich also zu beachten bzw. zu tun, bevor ich meine Mini-Drohne starte?

1. Ist deine Drohne mehr als ein reines Spielzeug für die eigenen vier Wände, solltest du mindestens 16 Jahre alt sein. Andernfalls bedarf es einer Begleitung bzw. Aufsichtsperson, welche diese Anforderung erfüllt und als Drohnen-Pilot qualifiziert bzw. registriert ist.

2. In einem nächsten Schritt solltest du prüfen, ob deine Haftpflichtversicherung den Betrieb von Drohnen bzw. Flugmodellen mit einschließt. Der Gesetzgeber macht hier keine Ausnahmen und schreibt für alle Drohnen-Piloten eine Drohnenhaftpflicht vor.

3. Des Weiteren musst du dich als Drohnen-Pilot registrieren.
Du bekommst nach der Registrierung eine ID, die an deiner Drohne – oder wenn du mehrere hast, an alle deine Drohnen – angebracht werden muss. Du registrierst hier also nicht deine Drohne, sondern dich selbst als Drohnen-Pilot. Wenn du eine Drohne ohne Kamera und sonstige Sensoren zur Datenerfassung starten willst, ist keine Registrierung erforderlich.
Wie und wo du die ID an deiner Drohne anbringst, bleibt im Großen und Ganzen dir überlassen. Idealerweise entscheidest du dich jedoch für eine haltbare und gut leserliche Plakette*.

Diese drei Punkte gilt es im Vorfeld zu erfüllen, noch bevor du dich mit den übrigen Regeln beschäftigst oder auch nur daran denkst deine Drohne aufsteigen zu lassen.

Der sog. „Drohnenführerschein“ – sprich EU-Kompetenznachweis – ist für Drohnen in der Klasse unter 250 Gramm also nicht vorgeschrieben. Dennoch darfst du ihn natürlich absolvieren und dir damit zum einen nützliches Wissen zur Drohnen-Fliegerei aneignen, und dich zum anderen vorsorglich für größere Drohnen-Modelle qualifizieren.

So fliegst du konform mit der EU-Drohnenverordnung

Die EU-Drohnenverordnung geht zunächst von verschiedenen Anwendungs-Szenarien aus und unterteilt diese in drei Kategorien: Open (offen), Specific (spezifisch) und Certified (zertifiziert).

Für Hobby-Piloten dürfte in aller Regel die Klasse „Open“ maßgeblich sein, sodass ich mich im Folgenden auf die wichtigsten Regeln für das zugrundeliegende Anwendungs-Szenario beschränke. Hier geht die EU-Drohnenverordnung von Drohnen und Flügen mit geringem Risiko aus und möchte das mit folgenden Weisungen sicherstellen:

  • Maximale Flughöhe 120 Meter über Grund.
  • Drohne darf nur in Sichtweite fliegen.
  • FPV-Piloten benötigen eine Begleitperson, die den Sichtkontakt hält.
  • Follow-me-Modus darf in einem maximalen Abstand von 50 Metern zum Piloten genutzt werden.
  • Drohnen dürfen keine gefährliche Ladung transportieren.
  • Drohnen dürfen keinerlei Gegenstände abwerfen.
  • Unbeteiligte Personen dürfen nicht überflogen werden.
  • Auch Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungs-Gebiete dürfen nicht überflogen werden.
  • Der horizontale Abstand zu unbeteiligten Personen und den genannten Gebieten muss min. 150 Meter betragen.

Das waren im Großen und Ganzen die wichtigsten Punkte, über die man mit Inkrafttreten der neuen EU-Drohnenverordnung ab dem 01.01.2021 Bescheid wissen sollte. Wie gesagt gelten die hier aufgeführten Regeln lediglich für Drohnen-Piloten ohne Registrierungspflicht und Drohnenführerschein. Möchtest du von diesen abweichen, solltest du dich zuvor gut informieren.

Dieser Beitrag erhebt natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Dazu ist die Verordnung einfach zu komplex und wird mit der Zeit sicherlich noch in einigen Punkten überarbeitet.

Ich empfehle daher jedem Drohnen-Piloten, sich zumindest mit den Fragen und Antworten des Luftfahrt-Bundesamtes zu beschäftigen oder direkt einen Blick in die Vorschriften und Verfahren für den Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge der EU-Durchführungsverordnung 2019/947 zu werfen.


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